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Amigos Artikel Clubzeitung Herbst/Winter 2011

AMIGO UND KULTUR

Amigo Golfer sind nicht nur Freundinnen und Freunde, die sich so oft es geht, mittwochs zum Golfen treffen, sie haben auf
ihren verschiedenen Golfurlauben auch ein kulturelles Interesse gezeigt.

Waren es in Tunesien, Andalusien oder der Türkei, Amphitheater und Zeugnisse aus über 2000 Jahre  Vergangenheit, die beeindruckten, so sollte es in heimischer
Umgebung auch Begegnungen mit Kultur und Geschichte geben.

Die Vorstellungen der Amigos wurden auch gleich zum Motto: „So oft fährt man an der Großen Kreisstadt Öhringen vorbei und weiß von ehrwürdigen Kirchen und prunkvollen Schlössern, oder dem lange dort herrschenden Fürstenhaus,  doch recht wenig.“

Im Nachhinein war es eine glückliche Fügung, dass an diesem Amigo-Mittwoch der Himmel schon frühmorgens  seine Schleusen öffnete und das Golfen buchstäblich ins Wasser fiel. So waren genauso viel Teilnehmer pünktlich auf dem Marktplatz in Öhringen anzutreffen wie bei einem sonnigen Golfnachmittag.

Der amtierende Türmer in Öhringen (davon gibt es nur noch wenige) begrüßte in Tracht und Trompete die Teilnehmer am
Amigo-Kulturabend.

Oben auf dem Turm der Stiftskirche faszinierte der großartige Blick auf die mittelalterlich- geprägte Stadt und der mit vielen geschichtlichen Details gespickte Rundgang
durch die original eingerichtete Türmerwohnung. Man erfuhr vom harten Leben im Mittelalter, der damaligen Bedeutung des Türmers und der Geschichte der stattlichen romanischen Kirche, die auf eine Stiftung der Gräfin Adelheid und ihres Sohnes Gebhard, der Bischoff von Regensburg war,  zurückging.
Diese Chorherrenstiftung wurde in der ältesten und ersten Urkunde der Stadt Öhringen aus dem Jahr 1037  niedergelegt.
Erst 1454 wurde aus dieser Kirche in 50- jähriger Bauzeit die heutige Stiftskirche, die im Stil ihrer Zeit als spätgotische, dreischiffige Hallenkirche mit fünf schlanken Säulenpaaren und einem gewaltigen Tonnengewölbe als Mittelschiff,  entstand. Doch das schönste Kunstwerk der Stiftskirche
ist der prächtig geschnitzte Hochaltar aus der Zeit von etwa 1500. Der Altar zeigt fünf Figuren annähernd in Lebensgröße.
Diese Adelheid, die später als Heilige verehrt wurde, war auch Mutter des bedeutenden salischen Kaisers Konrad II.
Vom Turm ging es in die Krypta der Kirche, wo in einem prunkvollen Sarkophag seit 1241 die Kaisermutter Adelheid liegt. Sie und einige von ihrem Sohn Gebhard übergebene Reliquien wurden viele Jahrzehnte verehrt und zogen Pilger aus allen Teilen des Reiches an, was der Stadt ein einträgliches Geschäft bescherte.
Nach der Reformation erwählten die Senioren des Hauses Hohenlohe die Krypta ebenfalls als ihre Grablege.

Und noch eine Jahreszahl: Auf eine erhaltene Urkunde aus dem Jahr 1253 wurde verwiesen, die in deutscher Sprache, eine Seltenheit für die damalige Zeit, die rechtliche Grundlage regelt, wie Hohenlohe die Landesherrschaft über das Gebiet um Öhringen übernahm:
das „Öhringer Weistum“.

Fast wurden den Amigos dort unten in der Krypta die vielen Namen und Zahlen und die Geschichte der Stadt, die von der
römischen Siedlung „Vicus Aurelianus“ bis zu Napoleon reichte, zu viel und sie waren froh, bei gutem Essen und  Trinken in ansprechendem Rahmen diesen Rückblick in die vergangenen Jahrhunderte verdauen zu können. Ein Lob für die gut gelungene Organisation gab es auch.

Otfried Grammel